Renate Schüler-Lamert wird am 28. Februar 1939 als erste von insgesamt drei Schwestern in Niesky an der Ober-Lausitz geboren.

Eltern sind der Lehrer Felix Lamert, geboren 1906 in Glogau, und Ruth Steinke, geboren 1909 in Posen, die als Hauslehrerin auf oberschlesischen Gütern unterrichtet.

1942 wird in Teschen die Schwester Gabriele geboren. Am Kriegsende flieht die Familie nach Süddeutschland. Auf der Flucht wird die zweite Schwester, Ulrike, in Gefrees im Fichtelgebirge geboren. 1948 kommt die Familie in Dortmund zusammen. Im Alter von sechzehn Jahren lernt Schüler-Lamert Peter Sorge kennen, der von Neustrelitz nach Dortmund gekommen ist und sich Ende der sechziger Jahre als Zeichner und Graphiker im Stile des Kritischen Realismus in West-Berlin etabliert. Schüler-Lamert und Sorge verlieben sich, werden ein Paar. Sie interessieren sich für Jazzmusik und Malerei, besonders für den Maler Max Beckmann, besuchen zusammen Zeichenkurse und Seminare. Zu ihrem Freundeskreis gehört auch Irmin Schmidt, der später die Gruppe Can gründet.

Nach dem Abitur in Dortmund beginnen Schüler-Lamert und Sorge ein Studium der Kunstpädagogik an der Hochschule der Bildenden Künste in West-Berlin. Da Schüler-Lamert die Probezeit nicht besteht, muß sie die HdK verlassen und das Studium in Mainz fortsetzen. Die Beziehung zu Sorge zerbricht.

1961 lernt sie Gideon Schüler kennen, der aus Marburg an der Lahn stammt und heiratet ihn im Jahr darauf. Schüler-Lamert bricht ihr Studium ab. Das Paar zieht nach Gießen, wo ihr Mann die Ricker´sche Universtätsbuchhandlung am Ludwigsplatz führt.

1963 wird der Sohn Jan geboren, 1964 die Tochter Saskia. In den folgenden Jahren widmet sich Schüler-Lamert der Erziehung ihrer Kinder. 1969 eröffnet Gideon Schüler die Galerie im Hof, die bis 1974 aktiv ist und Künstler wie Gerd Winner, Ernst Fuchs, Arnulf Rainer oder Peter Tuma zeigt. Ebenso gründet er die Edition „Literarischer Salon“, die unter anderen den Schriftsteller Hans Keilson veröffentlicht. Anfang der siebziger Jahre nimmt Schüler-Lamert ihr Kunsterzieher-Studium an der Universität in Gießen wieder auf. Ab 1975 unterrichtet sie als Lehrerin für Kunst und Deutsch am Albert-Schweitzer-Gymnasium in Alsfeld. Ebenso nimmt sie die künstlerische Arbeit wieder auf und beginnt zu malen. Es entstehen Arbeiten, die sich am Stil der Kritischen Realisten orientieren. Als Vorlagen dienen Ausschnitte aus Illustrierten und Zeitschriften, von denen sich Schüler-Lamert ein umfangreiches Archiv zusammenstellt. Sie schließt sich der Künstlergruppe Cumulus an, dem Oberhessischen Künstlerbund und wird Mitglied im Wetzlarer Kunstverein.

Ab 1987 führt eine nicht erkannte Zyste im Gehirn zu wiederholten Aufenthalten in den psychatrischen Anstalten des Gießener Uniklinikums. Erst acht Jahre später wird die Ursache der Persönlichkeitsveränderung entdeckt und entsprechend behandelt. Mitte der neunziger Jahre lernt Schüler-Lamert Joachim Frick aus Frankfurt kennen. Sie trennt sich von Gideon Schüler und bezieht mit Frick 1998 eine gemeinsame Wohnung in der Gießener Innenstadt. Kurz vor ihrem sechzigsten Geburtstag wird Brustkrebs diagnostiziert. Die Erkrankung erweist sich als hartnäckig und bildet Metastasen im Körper. 2003 findet Schüler-Lamert ihren Lebens-

gefährten Joachim Frick tot in der gemeinsamen Wohnung. Sie beginnt, ihre Erinnerungen niederzuschreiben, die 2005 in gedruckter Form in der Dortmunder Firma Omnifex erscheinen. Die Krebserkrankung schreitet weiter fort. Im Mai 2005 wird ihre Wohnung von den Kindern aufgelöst. Die Schwestern holen Schüler-Lamert zur Betreuung nach

Dortmund. Am 2. Januar 2006 stirbt Renate Schüler-Lamert im Alter von sechsundsechzig Jahren in einem Dortmunder Hospiz an den Folgen ihrer Krebserkrankung.

 

 

Abbildung 1: Renate, Ulrike und Gabriele Lamert, Dortmund 1959. Foto: Annelise Kretschmer; Abbildung 2: Renate Lamert und Peter Sorge, Dortmund 1959. Foto: unbekannt; Abbildung 3: Renate Lamert und Peter Sorge, Dortmund 1958. Foto: Annelise Kretschmer; Abbildung 4: Renate Schüler-Lamert und Gideon Schüler, Dortmund 1962. Foto: Annelise Kretschmer; Abbildung 5: Im Atelier, Mainz 1961. Foto: Erhard Wehrmann