"Als Kind wollte ich selbstverständlich Künstlerin werden. Mein Vater, der Kunsterzieher war, hat mich zu allen Ausstellungen mitgenommen, hat mir viele Künstler und die Vorliebe für die Malerei nahegebracht.

 

Folgerichtig studierte ich an der Akademie in Berlin, später dann in Mainz Malerei und Kunsterziehung. Mein Studium brach ich ab, als ich heiratete. Mein Sohn Jan und meine Tochter Saskia wurden geboren. Immerhin vererbte ich wohl beiden Kindern die Begabung und die Liebe für die Malerei.

Als ich dreißig wurde, zog ich Bilanz: Ich entschied mich, noch einmal zu studieren. Ich ging also zur Uni, lernte die Trends der sechziger und siebziger Jahre kennen und wurde mitgerissen von den neuen gesellschaftlichen Konzeptionen und der allgemeinen Aufbruchstimmung.

 

Der Themenkreis meiner Bilder umfaßt Privates, alltäglich Erlebtes, von anderen Erzähltes, Geträumtes; Ängste vor Krebs, Krieg, Unfällen, Vereinsamung u.a. Manche Themen entstanden auch aus der Beschäftigung mit der Frauenbewegung. Vieles existiert als Bildertagebuch immer aber auch mit dem Anspruch, neben dem Privaten Allgemein-Gesellschaftliches zu erfassen. Daneben verfüge ich über eine große Sammlung von Fotozitaten, die ich für die Bilder benutze. Manchmal beziehe ich mich auf historische Bildvorlagen wie die kleine Medici-Tochter von Bronzino. Es gibt eine Fülle von Motiven, die in meinen Bildern immer wieder vorkommen wie Schmetterlinge, Fische als Symbol für Leben und Leichtigkeit. Wesentlich für meine Arbeitsweise ist das Prinzip Collage bzw. Montage. Neben den figürlichen Darstellungen habe ich begonnen, Landschaften zu zeichnen und zu malen. Holzstapel mit Planen bedeckt, Katafalke und Mahnmale zerstörter Natur. Später malte ich wunderschöne Bäume, sozusagen Baumutopien.

 

An Meret Oppenheim gefällt mir der Satz: "Die Freiheit wird einem nicht gegeben, man muß sie sich nehmen.“ So hat sie sich auch die Freiheit genommen, nie einem ausgebildeten Stil zu folgen. Ich sehe dies für mich ähnlich."

 

 

aus: Helga Kämpf-Jansen, Renate Schüler-Lamert. Künstlerin sein und Pädagogin sein. In: Kunst + Unterricht. Zeitschrift für Kunstpädagogik, Heft 120/Februar, Seelze 1988, S. 29-31.